2018

Im Land Kalevas. Irene Suhr – Malerei und Reisen

Irene Suhr, Blaubeerenflug 2 (Detail), 2011, Blaubeerdruck auf Papier
Irene Suhr, Blaubeerenflug (Detail), 2011, Blaubeerdruck auf Papier, 10,5 x 14,8 cm

Jeder Mensch ist ein Reisender, ein Sammler und ein Spieler. Um zu erkennen und zu empfinden, wollen wir in der schnelllebigen Moderne das Flüchtige festhalten und die Zeit auflösen – oft vergeblich, denn die Natur lässt sich genauso schwer fassen, vermessen oder archivieren wie Träume oder Mythen. Irene Suhr ist sich dieser Vergeblichkeit des menschlichen Verlangens nach dem Festhalten des Flüchtigen bewusst und setzt dem Lauf der Dinge trotzdem ihr künstlerisches „Verweile doch!“ entgegen. Sie begibt sich auf den Spuren Humboldts und in Finnland, dem Land Kalevas, auf die Suche nach der unfassbaren Natur – und der Natur des Menschen. So entstanden Bilder und Installationen, in denen die Vergänglichkeit des Lebendigen aufscheint und die Natur sich selbst malt.

Die Bühnenbildnerin und Künstlerin Irene Suhr (geb. 1965) lebt und arbeitet in Berlin. Nach einem Studium der Architektur und Malerei an der Universität der Künste begleitete sie zahlreiche Bühnenprojekte, u. a. an der Semperoper Dresden und dem Radialsystem Berlin. Ihre Kunst wurde im In- und Ausland gezeigt.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit Theater & Philharmonie Thüringen, wo Irene Suhr das Bühnenbild und die Kostüme für Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ entwirft, die am 27. Mai 2018 am Landestheater Altenburg Premiere feiert.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Buben Damen Könige – Rolf Szymanski und Gerhard Altenbourg

Rolf Szymanski, fünf Plastiken (© VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Der Bildhauer Rolf Szymanski (1928–2013) war ein enger künstlerischer Weggefährte von Gerhard Altenbourg (1926–1989). Beide Künstler wurden zunächst von der Westberliner Galerie Springer und später von der Galerie Brusberg vertreten. Dieter Brusberg war es auch, der bereits in den 1990er-Jahren Altenbourg und Szymanski gemeinsam ausstellte. Das Menschenbild, vor allem die weibliche Figur, steht im Zentrum von Szymanskis Kunst. Die Liebesgöttin Astarte, die „Warschauer Nixe“, das „Fräulein in Algier“ sind nur einige der Damen, die sein Werk bevölkern: deformiert, flüchtig – er nennt es „éphémère“ – und immer auch erotisch.

Mythologie und Dichtung sind für beide Künstler wesentliche Inspiration, die Titel der Werke zeigen es deutlich und verweisen auf verwandte Arbeitsprozesse. So beginnt eine große Anzahl von Bronzefiguren Szymanskis einen Dialog mit Arbeiten Altenbourgs. 2018 wäre Rolf Szymanski neunzig Jahre alt geworden. Dies ist uns Anlass, vor allem die Bronzestatuetten aus dem Besitz von Gerhard Altenbourg, aber auch weitere Arbeiten Szymanskis aus zwei Privatsammlungen den Zeichnungen Altenbourgs gegenüberzustellen und so der geistigen Verwandtschaft beider Künstler nachzuspüren.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Berliner Blätter. Aus der Sammlung Volker Sachse

August Wilhelm Dressler, Ringkampf im Zirkuszelt (Detail), o.J., Radierung, 28,5 x 30,8 cm

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin zu einer dynamischen Kulturmetropole, die gerade für progressive Künstler schnell zu einem wichtigen Anziehungspunkt wurde. Aus dem gesamten Reichsgebiet zog es sie zu Studium, Lehre oder freiberuflichem Schaffen in die Hauptstadt. Viele der in Berlin ansässigen Künstler bezogen wichtige Impulse aus den verschiedenen Milieus der rastlosen Großstadt, deren Eigenheiten sich in ihren Werken entfalten. Betriebsame Straßen, prallgefüllte Cafés und Zirkustribünen, schmucklose Vorortgegenden und urige Typen treten immer wieder in Erscheinung. Zumeist steht dabei der Mensch im Zentrum der Betrachtung – als Teil einer anonymen Masse oder im Bildnis scharf gezeichnet in gezielter Abhebung von eben dieser.
Für die Ausstellung schöpft das Lindenau-Museum erstmals aus der umfänglichen Grafiksammlung Volker Sachses (1936–2011), die der gebürtige Berliner dem Museum vermacht hat.

Sie umfasst zahlreiche Ost- und Westberliner Positionen der Nachkriegsjahrzehnte, ihren Kernbestand bildet jedoch die deutsche Grafik der Jahre 1914 bis 1933. Diesen größtenteils in Berlin entstandenen Druckgrafiken und Zeichnungen widmet sich die Sonderschau in dem Anliegen, eine Impression der bewegten Kunstszene jener Zeit zu vermitteln. Gleichzeitig spiegelt sich in der Werkauswahl die Sammlerpersönlichkeit Sachses, der nicht nur bekannte Künstler enthusiastisch gesammelt hat, sondern auch heute kaum noch beachtete, deren Schaffen aber nicht minder interessant ist.

Gezeigt werden u. a. Arbeiten von Ernst Barlach, Max Beckmann, August Wilhelm Dressler, Rudolf Großmann, Erich Heckel, Hannah Höch, Käthe Kollwitz, Bruno Krauskopf, Rudi Lesser, Max Pechstein und Georg Tappert.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Gerhard-Altenbourg-Preisträger 1998-2017

Roman Opalka, Studium na temat ruchu (Etude sur le mouvement 22 V) (Detail), 1959, Deckfarbe auf Papier, 85,5 x 61 cm (© VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Der Gerhard-Altenbourg-Preis gehört zu den wichtigen Kunstpreisen des deutschen Sprachraums. Im Jahr 2017 wird er zum zehnten Mal vergeben: Geehrt wird die Schweizerin Pia Fries, und damit erstmals eine Künstlerin. Das Lindenau-Museum nimmt die zehnte Preisvergabe zum Anlass, auf die bisherigen Preisträger und ihre Ausstellungen in Altenburg zurückzublicken. Von den erkenntnistheoretischen Collagen Carlfriedrich Claus’, dem Existenzialismus Roman Opalkas bis zu der Geschichte und Mythos beschwörenden Bildsprache Cy Twomblys: Stets wurden Künstler geehrt, die sich wie Gerhard Altenbourg sichtbar mit Philosophie, Literatur, Kunst und Natur auseinandersetzten und einer reflektierten Verbindung von Geschichte und Gegenwart nachgingen.

Ob in der Malerei Walter Libudas und Lothar Böhmes, in den Installationen Olaf Holzapfels und Micha Ullmans oder den so poetischen wie philosophischen Bildwelten von Markus Raetz und Michael Morgner: Seit nunmehr zwei Jahrzehnten macht der Gerhard-Altenbourg-Preis auf Kunst aufmerksam, die sich in ihrer bedingungslosen Unabhängigkeit behauptet. In der Ausstellung begegnen sich je zwei Preisträger in einem Dialog. Eine Fotodokumentation erinnert an die vergangenen Präsentationen im Lindenau-Museum.

Vier Winde – Pia Fries. Gerhard-Altenbourg-Preis 2017

ponton (Detail), 2015, Ölfarbe und Siebdruck auf Holz, 170 x 220 cm (© VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Der Gerhard-Altenbourg-Preis 2017 geht an die Schweizerin Pia Fries. Die 1955 in Beromünster im Kanton Luzern geborene Künstlerin ist eine Vertreterin der reinsten Malerei. Das Spiel der Farben, das sich frei von allen Bindungen auf weißer Fläche entwickelt, ist ihre Botschaft. Ihre Farben sind Energien, die sich ständig wandeln, verbinden und von der Kraft der Kunst künden. Auf ihren furiosen Bildern ist alles Schöpfung und Metamorphose – die schönste Parabel auf das Leben, die sich zwischen den Polen Werden und Vergehen, Ruhe und Bewegung ereignet. Das schöpferische Prinzip schlechthin bricht sich in den Bildern von Pia Fries Bahn.
Pia Fries lebt und arbeitet in Düsseldorf und München. Nach einem Studium an der Kunstgewerbeschule Luzern (1977 bis 1980) wechselte sie an die Kunstakademie Düsseldorf. Dort studierte sie von 1980 bis 1986 Malerei und schloss als Meisterschülerin bei Gerhard Richter ab. Es folgte ein Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf und Professuren an der Kunstakademie Karlsruhe sowie an der Universität der Künste Berlin. Seit Februar 2014 hat Pia Fries eine Professur für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München inne. Ihre Werke sind in namhaften nationalen und

internationalen Sammlungen vertreten. Pia Fries wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet, darunter der Fred-Thieler-Preis der Berlinischen Galerie und der Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern.
In Altenburg präsentiert Pia Fries neben neuen Arbeiten Werkgruppen aus den letzten drei Jahrzehnten, darunter eine Bilderserie, die in Auseinandersetzung mit Maria Sibylla Merian entstanden ist. Über Siebdrucke mit Fragmenten aus Merians Bildern setzt die Künstlerin ihre mannigfaltigen Farben und vegetabilen Formen – ein Verfahren, das auch in einer anderen Werkgruppe zu Hendrick Goltzius' berühmten „Himmelsstürmern“ Anwendung fand, die ebenfalls zu sehen ist. Einen besonderen Schwerpunkt bildet das zeichnerische Œuvre der Künstlerin, das in seiner ganzen Breite präsentiert wird.
Der Gerhard-Altenbourg-Preis wird großzügig gefördert von der Thüringer Staatskanzlei, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Altenburger Land.

Faltblatt mit Begleitprogramm
Trailer zur Ausstellung
Katalog zur Ausstellung