Nachruf: Der bedeutende Wissenschaftler, Verleger und Sammler Dr. Wolfgang Rothe ist tot
Zu den großen Persönlichkeiten der Literatur- und Kunstszene in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 zählt ohne Zweifel Wolfgang Rothe (1929–2026). Der gebürtige Berliner stand der Kultur nicht nur als Soziologe, Literaturwissenschaftler, Autor, Verleger und Sammler nahe, sondern auch als verlässlicher Freund vieler international bedeutender Künstlerinnen und Künstler wie Karl Otto Götz, A. R. Penck, Emil Schumacher, Günther Uecker und vielen anderen.
Als Literaturwissenschaftler hat er zahlreiche Publikationen zum Expressionismus vorgelegt, aber auch Bücher zu Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Franz Kafka, James Joyce oder Ernst Toller. Auch ein 1985 erschienener Roman mit dem Titel „Der Pflastertreter“ zählt zu seinem umfangreichen Oeuvre. An der Seite seiner Frau Maria, die zunächst in Heidelberg und später in Frankfurt am Main die berühmte Galerie Rothe betrieb, wurde er auch zum Kunstkenner, Kunstschriftsteller und Sammler der Kunst des 20. Jahrhunderts zwischen Figuration und Abstraktion.
Mit dem Lindenau-Museum Altenburg trat er in seiner letzten Lebensdekade in Kontakt. Nach einem regen Briefwechsel kam es zu mehreren Besuchen in Frankfurt am Main, wo Rothe mit seiner Frau Maria (1931–2019) nicht weit vom Palmengarten entfernt wohnte. In Erinnerung bleiben die intensiven Gespräche mit dem Galeristen über seine Freundschaften, zur Kunstszene im „Westen“ und – nicht weniger stark ausgeprägt – zu seinen Kontakten in den „Osten“. Rothe überraschte mit seinem literarischen Wissen, mit Anekdoten aus seinem Alltag als Galerist und Verleger. Viele seiner Geschichten wären es wert gewesen, aufgeschrieben zu werden.
Ein anderes Zeugnis der Begegnungen zwischen ihm und dem Lindenau-Museum sind die zahlreichen mit der Schreibmaschine getippten oder handgeschriebenen Briefe, die Wolfgang Rothe mit Museumsdirektor Dr. Roland Krischke in den letzten Jahren wechselte. Darin wird der eigenwillige Esprit, der auch den Hochbetagten nicht verließ, in seiner ganzen Breite deutlich.
Am Beginn des brieflichen Austausches stand der Wunsch, die über Jahrzehnte gewachsene Sammlung an erlesener Druckgrafik und Zeichnungen mit über 3.000 Blättern an ein Museum zu übergeben sowie seine umfangreiche Bibliothek an Kunstbänden und seltenen Ausgaben der Zeit der Weimarer Republik. Dass Rothe das Lindenau-Museum dafür in die engere Auswahl zog, kann als besonderes Zeichen der Anerkennung gelesen werden. Der Gedanke reifte und führte nach weiteren Besuchen, Telefonaten und Briefwechseln im Jahr 2024 schließlich zur Schenkung. Für diesen Schritt sind die Altenburger Museen Wolfgang Rothe und seiner Frau Maria sehr dankbar.
In einem persönlichen Rückblick hob Dr. Roland Krischke hervor, dass „der Kontakt und der Austausch mit Dr. Wolfgang Rothe zu den schönsten Erlebnissen meiner Jahre als Museumsdirektor in Altenburg zählen. Mit seiner großzügigen Schenkung, die wir als „Sammlung Rothe“ aufbewahren werden, zählt er zu den wichtigsten Förderern in der Geschichte unseres Hauses.“
Am 8. April 2026 ist Wolfgang Rothe im Alter von 96 Jahren gestorben. Die Altenburger Museen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.