Peter Schnürpel und die SAMSTAGSZEICHNER – Der erste studioKurs an der KUNSTWAND

Kursleiter Peter Schnürpel, Foto: Nora Frohmann

Eines der vielen Projekte der Kunstvermittlung ist die Bespielung der KUNSTWAND im Interim des Lindenau-Museums Altenburg. Diese Präsentationsmöglichkeit soll neben Werken der Sammlungen auch relevante Themen der Museumsarbeit wie Provenienzforschung, Restaurierung oder die Arbeit des studios in den Fokus rücken.

Von nun an einmal jährlich wird durch eine Ausstellung, ein Begleitprogramm und eine Schriftenreihe die Arbeit der zahlreichen studioKurse vorgestellt. Besucher:innen bekommen Einblicke, sie begegnen Werken und Arbeitsweisen der Teilnehmenden und Dozent:innen. Den Anfang machen die „Samstagszeichner:innen“ unter Anleitung von Peter Schnürpel. In monatlichen Treffen widmen sie sich gemeinsam zeichnerischen und grafischen Aufgaben und besprechen mitgebrachte freie Arbeiten. Sie begeben sich damit auf die Suche nach dem eigenen Ausdruck und integrieren Feedback als wichtigen Teil des künstlerischen Prozesses.

Im ATELIER im studio haben die Teilnehmenden die Möglichkeit zu zeichnen, zu malen und zu drucken. Sowohl die Räumlichkeiten im historischen Museumsgebäude als auch die des Interims in der Kunstgasse 1 dien(t)en ihnen als Bildmotive: Gipsabgüsse antiker Statuen, architektonische Zusammenhänge und aktuelle Ausstellungen.

An der KUNSTWAND finden sich Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen, die in der Tradition der Kunstschule Bernhard August von Lindenaus (1779–1854) im Kurs entstanden sind oder aber an ganz anderen Orten, zu Hause oder vielleicht sogar im Atelier.

Für die Auswahl und Zusammenstellungen der Arbeiten wollte ich – Nora Frohmann, Kunstvermittlerin am Lindenau-Museum Altenburg und Kuratorin der KUNSTWAND – die Kunstschaffenden und ihre Stimmen mit einbeziehen, gemeinsam die Blätter besprechen und nach Zusammenhängen suchen.

Druckergebnis, Foto: Nora Frohmann

Dazu hatte ich mich für einen Samstagvormittag angekündigt und die Teilnehmenden darum gebeten, ihre freien Arbeiten mitzubringen, von denen sie sich vorstellen können, sie auszustellen. Im Austausch und bei der Sichtung kam mir die Idee, die Kursteilnehmenden jeweils über ein Portrait vorzustellen, das wiederum eine andere Teilnehmerin oder ein anderer Teilnehmer gezeichnet hatte. Zudem sollten jeweils Ansichten aus dem historischen Museum an der Gabelentzstraße sowie aktuelle Ansichten aus dem Interim und freie Arbeiten vertreten sein. Um die Wichtigkeit des Gruppengefüges und das Prozesshafte herauszustellen, wählte ich eine großformatige, farbige Skizze von Alf Stolze für die zentrale Präsentation in der Mitte der Wand aus. Von dort aus streute ich die Portraits und setzte in deren Nähe jeweils die Arbeiten der Abgebildeten. Somit ergab sich eine sehr stimmige, vielfältige Zusammenstellung, die die Arbeitsweisen und Interessen der „Samstagszeichner:innen“ widerspiegelt: Linie, Zeichnung, Drucktechniken, Portrait, Prozess, Gemeinsames, Ausprobieren.

Mit dem Ziel einer ausführlicheren Präsentation der studioKurse und aus Gründen der Sichtbarkeit und Dokumentation entstand zur Ausstellung eine Broschüre, die der Auftakt einer studioSchriftenreihe sein soll. Um eine konventionelle Vorstellung der Kunstschaffenden zu umgehen – eine Auflistung von Solo- und Gruppenausstellungen – verschickte ich Fragebögen mit mehr oder weniger seriösen Fragen zu ihrer Beschäftigung mit Kunst, der Zeit im studio, der eigenen Lieblingsfarbe und -künstler:in, dem beruflichen Hintergrund etc. Ein Zitat zum persönlichen Wert von Kunst ergänzt großformatige Werkabbildungen. Um das Gesamtgefüge der Gruppe und der Ausstellung zu veranschaulichen, wurde auch eine Wandansicht abgedruckt.

Verschiedene Techniken auszuprobieren, ist Teil des Kurses, Foto: Nora Frohmann

Eine die Präsentation flankierende Abendveranstaltung lud dazu ein, der Arbeitsweise der „Samstagszeichner:innen“ zu folgen und gemeinsam im Interim auf Motivsuche zu gehen, zu zeichnen und das Wahrgenommene in Monotypien umzusetzen. Diese Sonderform der Druckgrafik ermöglicht es, Eigenschaften der Druckfarbe, Strukturen, Linien und Flächen zu nutzen, um das Gezeichnete zu beleben. Im Gegensatz zu anderen Drucktechniken entstehen hierbei aber Unikate. Elf Interessierte widmeten sich in sehr angenehmer, angeregter Arbeitsatmosphäre der Zeichnung. Vorlagen aus dem Internet, aus dem Gedächtnis oder vor Ort wurden meist direkt zur Monotypie. Auch Experimente wie das Schaben mit einer Plastikgabel, das Reiben mit Handballen und Bürsten oder Negativvarianten fanden ihren Platz. Peter Schnürpel, Alf Stolze und Marlene Hofmann gaben als Kursmitglieder ihre Erfahrungen zum Farbauftrag, zu Grauwerten und zur Komposition weiter. Beglückt und mit schönen Ergebnissen bestückt traten die Teilnehmenden des Abendkurses den Heimweg an. Gut möglich, dass ein paar von ihnen künftig auch zu den „Samstagszeichner:innen“ zählen werden…

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 4 und 7.