Sensationeller Bibliotheksfund

Die «Description de l'Égypte», herausgegeben von Napoleon Bonaparte in der Kunstbibliothek Bernhard von Lindenaus

Wir haben die Ergänzungsbände der berühmten Ausgabe der Description de l'Égypte mit Rekordgröße entdeckt! Wie kamen die Bände in das Museum? Warum hat bis jetzt keiner von ihrem Dasein gewusst?

Bernhard August von Lindenaus (1779–1854) Kunstbibliothek gehört zu den wertvollsten Büchersammlungen Thüringens. Sie ist nicht groß – nur rund 2200 Bände – aber die haben es in sich. Lindenau, zunächst Astronom, dann Staatsmann (z.B. erster Minister im Königreich Sachsen) und schließlich Kunstsammler, schenkte seine Schätze dem Staat Sachsen-Altenburg zum Zwecke der Bildung seiner Landsleute. Zwischen antiker Keramik, Abgüssen nach den berühmtesten Werken der Plastik, Gemäldekopien und 180 frühitalienischen Tafelbildern nimmt die Kunstbibliothek eine Schlüsselrolle ein. Innerhalb der Bibliothek wiederum sind es vor allem die Werke über Ägypten, die glänzen: Description, Rosellini, Champollion, Minutoli, Norden, Lepsius ...

Welches Buch ist am wertvollsten und welches am größten?

„Welches ist das wertvollste Buch Ihrer Bibliothek?“, lautet eine häufige Frage von Besuchern. Dies ist nicht leicht zu beantworten: Humboldts Erstausgaben, Cooks Reisen, Piranesi, die indischen Zeichnungen?

Die Frage nach dem größten Buch – ebenfalls häufig gestellt – lässt sich dagegen leicht beantworten: die Ergänzungsbände zur berühmten Description de l'Égypte. Bis zu 138 x 78 cm groß sind die Tafeln, die darin versammelt sind.

Mammutfolio werden die Riesenformate genannt und bis vor kurzem war ihre Existenz im Lindenau-Museum gar nicht bekannt. Denn bei der Erstellung des Kataloges 2002 wurden die sorgsam verpackten Bücher trotz ihrer Rekordgröße quasi übersehen. So ist zwar seit langem bekannt, dass das Lindenau-Museum die ab 1809 erschienene Erstausgabe des berühmten Werkes in 11 Tafel- und 10 Textbänden besitzt, nicht aber, dass es auch noch die sehr seltenen großformatigen Ergänzungsbände und den Kartenband gibt.

Der Beginn der Ägyptologie – positives Ergebnis von Napoleons Ägyptenfeldzug

Die „Description de l'Égypte“ war das positive Ergebnis von Napoleons Ägyptenfeldzug 1798–1801. Sie war das Resultat einer parallel zum Feldzug durchgeführten, umfassenden Forschungsarbeit und Ausgangspunkt für eine Ägyptenbegeisterung, die zur Ägyptomanie wurde. Auch die Ägyptologie nahm hier ihren Ausgangspunkt.

Woher Bernhard von Lindenau die berühmten und kostbaren Bücher hatte, ist nicht bekannt. Mehrmals weilte er in Paris, kannte eine Reihe von Teilnehmern an Napoleons Ägyptenprojekt persönlich. Aber es gibt keine Überlieferung zum Erwerb.

Am 25. Februar 2018 um 15 Uhr gibt es während der Führung „Napoleon Bonaparte in der Kunstbibliothek Bernhard von Lindenaus“ die einmalige Gelegenheit, diese Mammutfolio im Lindenau-Museum Altenburg zu sehen. Frau Sabine Hofmann führt selbst.

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