Aus der Papierrestaurierung: Mareike Möller und Christian Maul im Gespräch über Grafiken, Bücher, Digitalisierung – und São Paulo

Im Kompetenzzentrum Restaurierung Altenburg, das die gesamten Restaurierungsateliers der Altenburger Museen umfasst, arbeitet eine ganze Reihe von Fachleuten, darunter auch zwei Personen in der Papierrestaurierung: Christian Maul ist seit über 40 Jahren im Haus und gehört zu den Kollegen, die am längsten im Museum arbeiten. Mareike Möller arbeitet seit 2021 im Rahmen der Projektförderung Lindenau21PLUS an den Altenburger Museen. Im Interview berichten sie über ihre unterschiedlichen Aufgabenbereiche und Werdegänge.

 


Was sind eure Aufgaben im Haus?

Christian Maul: Meine Aufgaben umfassen die Betreuung von sämtlichen Papierobjekten wie Bücher und Grafik in den Museen. Dazu gehört das Restaurieren, Schneiden von Passepartouts und Rahmen von Objekten, die in Sonder- oder Dauerausstellungen gezeigt werden. Für Kurierarbeiten bin ich auch zuständig, das umfasst die Zustandsbewertung der Arbeiten auf Papier sowie das Verpacken und die Kurierbegleitung zu den Museen und Institutionen, in denen unsere Werke ausgestellt werden. Neuerdings gehört auch die Betreuung der Auftragsvergabe von externen Restaurierungsmaßnahmen dazu.
Einmal im Jahr mache ich mit den Praktikantinnen des Altenburger Praxisjahres einen Workshop, in dem wir die Mappen für ihre Bewerbungen an den Hochschulen anfertigen. Außerdem erzähle ich in Theorieeinheiten zur Papierrestaurierung etwas über meine Arbeit. Als Buchbinder arbeite ich auch eng mit unserer Bibliothekarin zusammen und führe restauratorische Maßnahmen an der Haus- und Arbeitsbibliothek durch.

Mareike Möller: Meine Aufgaben umfassen die Vor- und Nachbereitung der Digitalisierung der Grafischen Sammlung. Ich schaue mir die Grafiken und Zeichnungen an und entscheide, ob die Blätter fotografiert werden können oder ob sie vorher restauriert werden müssen. Außerdem löse ich die Arbeiten aus den alten, säurehaltigen Passepartouts. Die Objekte werden nach der Digitalisierung in neuen, alterungsbeständigen Passepartouts und Boxen gelagert.
Zu meinen weiteren Aufgaben gehört ebenfalls die Betreuung der Praktikantinnen des Altenburger Praxisjahres. Hier gebe ich Kurse, beispielsweise zum Erstellen von Buntpapieren, sowie Theorieeinheiten. Wenn es Praktikantinnen gibt, die sich für die Fachrichtung Papier interessieren, betreue ich sie auf ihrem Weg ins Studium intensiver. Zuletzt habe ich außerdem die KUNSTWAND kuratorisch begleitet, die sich der Papierrestaurierung gewidmet hat.


Was gefällt euch am besten an der Arbeit als Papierrestaurator bzw. -restauratorin?

Christian Maul: Mir gefällt die Vielseitigkeit der Arbeit im Museum sowie der stete Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen in den eigenen Häusern sowie mit anderen Restauratorinnen und Restauratoren aus anderen, teils internationalen Häusern.

 

Mareike Möller: Dadurch, dass ich mir jedes Blatt vor der Digitalisierung anschaue, bekomme ich einen guten Überblick über die grafische Sammlung. Außerdem gefällt es mir, ganz nah am Original arbeiten zu dürfen und zur Erhaltung der Objekte beizutragen.


Wie seid ihr Papierrestauratorin bzw. Papierrestaurator geworden?

Christian Maul: Ich habe von 1979 bis 1981 eine zweijährige (Handwerks-)buchbinderlehre in Leipzig abgeschlossen. Danach habe ich in der Deutschen Nationalbibliothek in der Restaurierungsabteilung gearbeitet.
Nach dem Wechsel ins Lindenau-Museum und durch Delegierung bin ich zum Studium nach Berlin gegangen. Zu DDR-Zeiten konnte man sich nicht frei für ein Studium bewerben. Das Museum musste den Bedarf anmelden und dich als Angestellten zum Studium schicken. Ich habe dann ähnlich wie im Dualen Studium gearbeitet und meinen Diplomabschluss erworben.

Mareike Möller: Ich habe ein einjähriges studienvorbereitendes Praktikum in den Restaurierungswerkstätten des Niedersächsischen Landesarchivs in Bückeburg gemacht. Anschließend habe ich ab 2012 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim den Bachelor und Master of Arts in Konservierung und Restaurierungswissenschaften mit der Vertiefung Schriftgut, Buch und Grafik absolviert. Seit 2021 darf ich das Team der Restaurierung in der Digitalisierung der grafischen Sammlung unterstützen.


Was war das spannendste Projekt an dem ihr jeweils gearbeitet habt?

Christian Maul: Für mich war meine weiteste Kurierreise nach São Paulo (Brasilien) ins Museu Lasar Segall besonders spannend. Eine unserer wertvollen Grafikmappen aus den 1920er-Jahren wurde dort ausgestellt und ich durfte sie als Kurier begleiten. Außerdem sind die Ausstellungen zum Gerhard-Altenbourg-Preis alle zwei Jahre immer wieder sehr besonders. Eine Anfrage für Papierabeiten über fast 10.00 Kilometer Luftlinie ist nicht alltäglich.

Mareike Möller: Für mich war ein spannendes Projekt, die Begleitung der Restaurierung der großformatigen chinesischen Tuschezeichnungen aus dem Bestand des Residenzschlosses durch den Essener Restaurator Lars Herzog-Wodtke. Durch Lindenau21Plus Mittel konnten die stark beschädigten Arbeiten gesichert werden, sodass sie wieder ausstellungsfähig und handhabbar sind. Unter anderem wurden sie in der Ausstellung "Koffer Kutschen und Kartons" (23.06.-27.09.2026) im Schlossmuseum des Residenzschlosses und zuletzt an der KUNSTWAND "Oh, wie schön! - Frisch restaurierte Werke aus den Altenburger Museen" (17.07.-18.10.2026) im Lindenau-Museum in der Kunstgasse 1 gezeigt.

 



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