Wir Kinder im Museum
Kurz nach meinem Meisterstudium zur Kunstvermittlerin an der Burg Giebichenstein in Halle suchte das Lindenau-Museum eine neue Kraft, die das studioBAMBINI tatkräftig und enthusiastisch konzeptionell mitaufbaut. Es sollte ein Ort für Kinder ab zwei Jahren geschaffen werden, der erste Annäherungen an Farben, Formen, Materialien und an das Museum als bewahrenden Ort ermöglicht. Ein Ort, an dem man vom Hier und Jetzt in die Vergangenheit eintauchen kann.
Für beide Seiten, für mich als Künstlerin und für das Museum, stellte die im Rahmen des Programms Lindenau21PLUS neu eingerichtete Werkstatt des studioBAMBINI einen Neuanfang dar. Und ist seither außerdem ein Lockruf; ausgerufen für Eltern, die bisher nicht den Weg ins Lindenau-Museum fanden. Zusammen mit den Kindern, die uns einzeln oder als Kindergartengruppe besucht haben, sind wir als Team aus vier Künstlerinnen ins weite Feld der frühkindlichen kulturellen Bildung eingestiegen. Wir haben uns gefragt, was Kunst eigentlich kann. Welche Bedeutung hat sie in unserer Gesellschaft? Und wie wirkt sich die Kunst auf uns persönlich aus? Wir sind uns einig: Sie wartet auf uns und steckt tief drin in jedem Einzelnen. Sie kann uns bereichern, inspirieren, erheben, auffangen und zum Denken anregen. Kunst ist aber vor allem eine Handlung.
Wir Dozentinnen erschaffen schon seit Längerem mit den Händen Werke, die etwas ansprechen oder aussprechen. Wir haben Erfahrungen, sind aber dennoch Forschende, die nach Ausdruck suchen. Wie unsere kleinen und großen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer auch. Kunst erzählt von der jeweiligen Welt und ihrer Komplexität. Kinderwelten sind anders als Erwachsenenwelten. Die Welt von heute ist eine andere als die von vor 100 oder 200 Jahren. Umso schöner ist es, wenn diese verschiedenen Sichtweisen aufeinandertreffen.
Wenn ich von alter Kunst umgeben bin, erzeugt das in mir als Künstlerin das Gefühl einer Gemeinschaft über Jahrhunderte hinweg. Das stärkt und motiviert mich, wirft aber auch einige Fragen auf: Wie sind diese Werke entstanden? Was hat diese Menschen in ihrer jeweiligen Zeit bewegt? Dazu gehen wir mit den Teilnehmenden aller studioBereiche immer wieder ins Museum. Wir sprechen darüber, zeichnen ab, imitieren, betrachten die Kunst auf dem Kopf. So lösen wir das Schweigen der scheinbar stummen Kunstwerke auf. Wir schauen uns an, was andere Künstlerinnen und Künstler gemacht haben. Wenn wir dann selbst aktiv werden, wird die Kunst noch mehr zum Selbstverständnis.
Das Schönste an der Arbeit im Lindenau-Museum ist, den Kindern dabei zuzusehen, wie sie selbst Dinge entdecken. Wie sie Material entdecken, wie sie Techniken entdecken, wie sie vor Freude jauchzen, weil sie eine bestimmte Farbe gemischt haben oder ihre Idee einfach zu Papier oder in eine Form gebracht haben.
An den Stellen werde ich froh, denn so habe ich selbst begonnen Kunst zu machen. Aus einer großen Freude heraus. Und diese haben wir Erwachsenen über die Zeit aus unterschiedlichen Gründen verloren. Das heißt, die Kinder geben uns genauso etwas zurück: ihre Begeisterung, ihre Feinsinnigkeit und Offenheit. Davon können wir Erwachsenen uns dicke Scheiben abschneiden. Auch für die eigene künstlerische Praxis.
Hier ist, was wir für die Zukunft brauchen: forschende, neugierige und einfallsreiche Kinder. Sie bringen mich dazu, auch selbst künstlerisch tätig zu sein und dabei zu bleiben. Ich probiere wieder Dinge aus, betrachte Bilder neu; wenn zum Beispiel Fragen zur Herstellung kommen oder, wenn die Kinder erzählen, was sie sehen. Das, was wir nicht mehr sehen …
Bei der Auswahl für die KUNSTWAND-Präsentation „Was macht die Kunst?" wurde mir bewusst, was die eigenen Qualitäten sind und was ich eigentlich zu geben habe. Jede Arbeit der Ausstellung zeigt: Hier steckt viel Erfahrung und Forschung dahinter. Und jede Arbeit ist ganz unterschiedlich. Diese Vielfalt ist eine tolle Einladung ins Museum.
Text von Henriette Aichinger, bildende Künstlerin und seit 2022 Dozentin im studio
Vom 23. Januar bis zum 12. April 2026 werden unter dem Titel „Was macht die Kunst?" Werke von Dozentinnen und Dozenten des studio an der KUNSTWAND im Lindenau-Museum in der Kunstgasse 1 gezeigt.
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