2019

herman de vries – all all all werke 1957–2019 Gerhard-Altenbourg-Preis 2019

herman de vries, vegetation, 2007, getrocknete Pflanzen auf mit Papier kaschierten Platten, (40 x) 40 x 40 cm, © herman de vries

Der Gerhard-Altenbourg-Preis 2019 würdigt den 1931 im niederländischen Alkmaar geborenen herman de vries. Sein Werk umfasst Gemälde, Collagen, Grafiken, Textbilder, Skulpturen, Künstlerbücher und Installationen für den öffentlichen Raum. Zudem beschäftigt er sich als Essayist und Philosoph auch theoretisch mit der Kunst.
In den 1950er Jahren fand herman de vries über die informelle Malerei zur Kunst, gehörte in den 1960er Jahren zum Umfeld der Gruppe ZERO und arbeitete an seinen weißen Bildern (white paintings). Aus dieser radikalen Reduktion entstand die Faszination für das Spannungsfeld zwischen Natur und Kunst, die sich seither wie ein roter Faden durch sein Œuvre zieht.

Der Zufall und die Veränderung definieren und strukturieren das weitverzweigte Werk des Künstlers. Seit 1970 lebt er zurückgezogen im unterfränkischen Eschenau, wenn er nicht gerade die entlegensten Orte der Welt bereist. Auf seinen ausgedehnten Streifzügen sammelt er Naturalien, die er zuhause archiviert, katalogisiert und, ohne ihr Aussehen zu verändern, zu Bildern erhebt. Die Arbeiten von herman de vries folgen einem umfassenden Kunstbegriff,
der die Sinne und den Intellekt gleichermaßen anspricht und in Anspruch nimmt.

 

Faltblatt

Einladung zur Ausstellungseröffnung

Mit den Waffen einer Frau Furchtlose Frauengestalten der Antike

Unbekannter Künstler, Umzeichnung der sogenannten Amazonen-Vase von Ruvo, 1851, Aquatinta, 36,4 x 88,5 cm

„Denn eine Frau ziert Schweigen, ziert Bescheidenheit am schönsten, und im Hause still zu sein.“ Euripides' Vorstellung einer beispielhaften Frau war in der von Männern dominierten Gesellschaft des antiken Griechenlands weit verbreitet. Dennoch gab es auch im Altertum abweichende Rollenbilder.

Die Ausstellung widmet sich ungewöhnlichen antiken Frauengestalten: von der homerischen Femme fatale Kirke über wehrhafte, in Ekstase tanzende Mänaden bis hin zur zähen Amazone, die sich voller Heldenmut in den Zweikampf stürzt.

Faltblatt

humboldt⁴ Altenburg und die Welt

Jean-Thomas Thibaut (nach einer Skizze von Alexander von Humboldt), Le Chimborazo vu depuis le Plateau de Tapia (Detail), vor 1810, kolorierter Kupferstich, 40 x 60 cm

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Vier Ausstellungen in vier Museen des Altenburger Landes

2019 jährt sich Alexander von Humboldts Geburtstag zum zweihundertfünfzigsten Mal. Der Einfluss des großen Gelehrten reichte bis in die kleinsten deutschen Staaten und Städte. Bürger wie Regenten fühlten sich angespornt, mit der neuen Welt in Austausch zu treten, Sammlungen anzulegen, diese zu erforschen, zu zeichnen und zu publizieren. Im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg waren es Franz Xaver von Zach und Bernhard August von Lindenau, die mit Alexander von Humboldt in direktem Austausch standen.
Die Museen des Altenburger Landes nehmen 2019 in einer gemeinsamen Ausstellungsreihe das Leben Alexander von Humboldts und sein Wirken auf die Region in den Blick. Dabei wird deutlich, dass alles mit allem in einem Zusammenhang steht und trotzdem immer wieder Humboldt den Mittelpunkt bildet. Von ihm wurden nicht nur bedeutende Wissenschaftler der Region, wie Alfred Brehm oder Anton Goering, inspiriert, sondern auch die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes und der Herzog von Sachsen-Altenburg.
Die Ausstellungen in den Altenburger Museen und im Museum Burg Posterstein fassen das Wissen um den Universalisten und die von ihm ausgelösten Forschungen zusammen und erlauben einen naturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Spaziergang durch die Region.
Die Ausstellungsreihe steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur-, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei.
Der gemeinsame Hashtag #humboldt4 verbindet den Ausstellungsreigen in den sozialen Netzwerken.

Im Rahmen der Ausstellung wurden 100 Siebdruckplakate des Künstlers Moritz Götze vom Förderkreis "Freunde des Lindenau-Museums" in Auftrag gegeben. Neben Alexander von Humboldt und Bernhard August von Lindenau sind die vier an der Ausstellungskooperation beteiligten Museen zu sehen. Das Plakat ist an der Kasse des Lindenau-Museums zum Preis von 30,00 € erhältlich.

zum Plakat

humboldt4
Altenburg und die Welt

Für Alexander von Humboldt war Bernhard August von Lindenau „ein mir lange befreundeter, hochverdienter Astronom“ und tatsächlich verloren sich die beiden Naturforscher nie aus den Augen. Obwohl ihr Briefwechsel nur teilweise erhalten ist, finden sich in der Sammlung des Lindenau-Museums zahlreiche Spuren der Anregungen, die Lindenau von Humboldt erhalten hat. Die Kunstbibliothek bewahrt nicht nur einige Bände des großen Reisewerks über Südamerika in der Erstausgabe, sondern auch prachtvolle Folianten über die Expeditionen der Nachfolger Alexander von Humboldts. Sie werden in der Ausstellung ebenso gezeigt, wie Werke der Forscher, die Humboldt überhaupt erst den Weg bereitet haben. Dazu gehörte in erster Linie Georg Forster, dessen berühmte Zeichnungen aus der Forschungsbibliothek Gotha in digitaler Form mit Präparaten der abgebildeten Vögel aus dem Naturkundemuseum der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha verglichen werden können. Die Darstellungen von James Cooks letzter Weltumseglung und die genauso seltenen Kupferstiche aus den Berichten des Franzosen Jean-François de Galaup de La Pérouse über seine Weltreise inspirierten Humboldt und Lindenau gleichermaßen.
Lindenau selbst bereiste ausschließlich europäische Länder, verfolgte die Erkundung ferner Regionen und Kontinente aber genau und wartete stets auf die exakten Beobachtungsergebnisse der Forschungsreisenden. In seiner Heimatstadt wurde er Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft und sorgte dafür, dass das Altenburger Gymnasium einen Großteil der wissenschaftlichen Publikationen seiner privaten Bibliothek erhielt.

Über die Ausstellungen der anderen Museen können Sie sich online informieren: Museum Burg Posterstein, Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg, Residenzschloss Altenburg.

Faltblatt mit Begleitprogramm

 

Matthias SchallerFotografien

Matthias Schaller, Milano La Scala (Detail), 2005, © Matthias Schaller

Matthias Schaller - Fotografien

Die Arbeiten des Fotografen Matthias Schaller handeln von Individuen und Kulturen. Doch sie zeigen keine Personen, sondern menschenleere Räume, die auf die Abwesenden verweisen und deren Anwesenheit kraftvoll hervorrufen.
In den vergangenen zwanzig Jahren arbeitete Schaller im Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Konzeptkunst an mehreren viel beachteten Fotoserien. Für das Lindenau-Museum mit seinem Schwerpunkt italienischer Kunst wurden nun vier Serien ausgewählt, die sich überwiegend mit der Kultur und Geschichte Italiens auseinandersetzen.
In Fratelli d’Italia arrangiert Schaller 150 Fotografien von italienischen Opernhäusern zu einer monumentalen Wandcollage. Mit dieser Zusammenschau von sehr ähnlich gestalteten Opernsälen, die allesamt während des Risorgimento im 19. Jahrhundert erbaut wurden, manifestiert sich die Fiktion und Widersprüchlichkeit einer nationalen Identität.
Purple Desk widmet sich den Arbeitsräumen der Kurienkardinäle im Vatikan. Der gleichförmige Blick auf Schreibtisch und Wand zeigt bizarre Stillleben zwischen Frömmigkeit und Macht.
Mit Leiermann führt uns Schaller nach Venedig, wo frontal aufgenommene Spiegel die Leere in den verfallenen Palazzi abbilden und ein melancholisches Lied über die Verlassenheit der Lagunenstadt intonieren.
Das Meisterstück zeigt schließlich die ins Großformat gesetzten Malpaletten von vier der wichtigsten Künstler der Moderne: Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso und Cy Twombly.
Der 1965 in Dillingen an der Donau geborene Künstler schloss sein Studium der Kulturanthropologie nach Aufenthalten an den Universitäten Göttingen, Hamburg und Siena mit einem Magister ab. Er lebt in Venedig und Rio de Janeiro.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Matthias Schaller - Photographs

The works of the photographer Matthias Schaller are about people and culture. Yet his pictures don’t show any people. Instead we see deserted rooms that make reference to those who are absent, powerfully evoking their presence.
Many of Schaller’s highly respected photo series from the past 20 years have ranged between the poles of documentary and conceptual art. For the Lindenau-Museum, with its focus on Italian art, four series have been chosen that primarily explore the culture and history of Italy.
In Fratelli d’Italia Schaller arranges 150 photographs of Italian opera houses into a monumental collage that covers an entire wall. In this compilation of very similarly designed opera halls, all built during the so-called Risorgimento or unification of Italy in the 19th century, the fiction and contradictoriness of a national identity become apparent.
Purple Desk focuses on the work rooms of the Curial Cardinals in the Vatican. The uniform view of the desk and wall yields bizarre still-lifes between piety and power.
With Leiermann Schaller takes us to Venice, where mirrors photographed frontally show the vacancy of run-down palazzi, sounding a sad song on the death of the lagoon city.
Finally Das Meisterstück presents large-format portraits of the painting palettes of four of the most important artists of the modern age: Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso and Cy Twombly.
Born in Dillingen an der Donau in 1965, the artist received a Master’s degree in cultural anthropology after finishing his studies at the universities of Göttingen, Hamburg and Siena. He currently lives in Venice and Rio de Janeiro.

leaflet

20. Altenburger Museumsnacht

PROGRAMM

18 Uhr
Gemeinsame Eröffnung der 20. Altenburger Museumsnacht und des
Altenburger Kultursommers 2019 vor dem Naturkundemuseum Mauritianum
Die Altenburger Mitspieler-Akademie errichtet passend zum Jubiläum eine überdimensionierte 20

20 Jahre Altenburger Museumsnacht
Musik, Klamotten und Drinks von 1999
· Tanzraum Anja Losse mit Mambo Nr. 5 – der Sommerhit des Jahres 1999
· Caipirinha – der Drink des Jahres 1999
· Die Mode von 1999 präsentieren Christian Horn (Residenzschloss Altenburg), Mike Jessat (Naturkundemuseum Mauritianum) und Roland Krischke (Lindenau-Museum)
Moderation: Bernhard Stengele

18–21 Uhr
Im Studio Bildende Kunst
mit Künstlern und Jugendlichen
Masken für ein (Bauhaus-)Fest! und Schöne Frauen – Ausmalbilder nach Kunstwerken im Lindenau-Museum

kurz und bündig
19 Uhr
Kühne Kämpferinnen – Auf der Spur der Amazonen
mit Victoria Kubale, wiss. Volontärin für Archäologie

Die linke Tafel eines Triptychons
Die Restaurierung des Apostel Petrus eines unbekannten Meisters aus der Sammlung „Frühe italienische Malerei“ mit Restaurator Johannes Schaefer

19.30 Uhr
Lesung
Zobelsündhaft frische Tatzen
Der Schauspieler und Regisseur Bernhard Stengele liest Lyrik von Gerhard Altenbourg

kurz und bündig
20 Uhr
Kurzführung und Lesung
Meister und Gurus – Druckgrafik am Bauhaus
mit Dr. Benjamin Rux, Kustos für Gemälde und die Grafische Sammlung
Bernhard Stengele liest aus den Protokollen des Meisterrates

20.30 Uhr
Avantgardist oder Klassizist?
mit Laura Rosengarten, wiss. Volontärin für Gemälde und die Grafische Sammlung
Bernhard Stengele liest aus Giorgio de Chiricos Künstlerbekenntnis

21 Uhr
A cappella/Beatbox/Trio
Die Kinder vom See
Drei angehende Musiklehrer verstehen sich als musikalische Brückenbauer und wollen mit ein paar eingestaubten Genregrenzen aufräumen. Ein Mix aus tanzbaren A cappella Coversongs und Eigenkompositionen, stilistisch zwischen Renaissance und Reggae

kurz und bündig
22 Uhr
Auf dem Weg zu einer Ausstellung: humboldt4 – Recherche, Dokumente, Texte
mit Sabine Hofmann, Stellvertretende Direktorin des Lindenau-Museums

Unabhängige Frauen – Das Lindenau-Museum und die Kunsthändlerinnen
mit Sarah Kinzel, Provenienzforscherin

22.30 Uhr
Die Restaurierung des Gipsreliefs des Amazonensarkophags
mit Susanne Reim, Keramikrestauratorin

Starke Frauen – Maria, Magdalena und Caterina in der Sammlung „Frühe italienische Malerei“
mit Angelika Forster, Museumspädagogin

23 Uhr
Kunst zum Einschlafen
mit Dr. Roland Krischke, Direktor des Lindenau-Museums

Kulinarisches
Alexander Priem – Flammkuchen, Gegrilltes, Wein und Cocktails hinter dem Museum

Die Museen sind ab 18 Uhr bis nach Mitternacht geöffnet!

Eintrittspreise
Kinder & Jugendliche
bis 18 Jahre: frei
Erwachsene: 8 € p.P.
Ermäßigt: 6 € p.P. (für Auszubildende, Studierende und Schwerbehinderte)

Der Eintritt wird einmalig entrichtet und gilt für alle beteiligten Museen.

Gesamtprogramm

Das Bauhaus Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky

Wassily Kandinsky, Komposition (Detail), 1922, Lithografie, Lindenau-Museum Altenburg

Im Herbst 1921 präsentierte Walter Gropius mit Lyonel Feininger, dem Leiter der druckgrafischen Werkstatt am Bauhaus Weimar, eines der wichtigsten transnationalen Kunstprojekte nach dem Ersten Weltkrieg: Unter dem Titel „Neue Europäische Graphik“ luden sie die künstlerische Avantgarde Europas ein, je eine Druckgrafik zu einer fünf Mappen umfassenden Werkschau aktueller Grafik beizusteuern. Dem national ausgerichteten Kulturbegriff sollte die Idee eines kosmopolitischen Künstlerbundes entgegengehalten werden.
Dabei entstanden bis 1924 die Mappen I, III, IV und V mit Druckgrafiken deutscher, italienischer und russischer Künstler. Mappe II mit Arbeiten französischer Künstler blieb Fragment. Das Lindenau-Museum ist eines der wenigen Museen, das in Besitz aller vier edierten Mappen ist.

Als Beitrag zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ werden alle grafischen Blätter der „Neuen Europäischen Graphik“ in einer Ausstellung präsentiert, darunter Arbeiten von Max Beckmann, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner und Paul Klee. Daneben werden einige seltene Druckserien der Bauhauslehrer Feininger, Gerhard Marcks und Georg Muche zu sehen sein, die am Bauhaus entstanden sind.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Die rätselhafte Sphinx Ausstellung zur Oper „Œdipe“ im Landestheater Altenburg

Carl Marcus Tuscher nach einer Zeichnung von Frederik Ludvig Norden, Die Große Sphinx von Gizeh (Detail), 1744, Tiefdruckverfahren

Wahrscheinlich ist es das berühmteste Rätsel der Menschheit: Was ist mit einer Stimme versehen und hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei und am Abend drei?
Die Sphinx stellt Ödipus vor den Toren Thebens diese Frage, die ihn das Leben kosten kann, aber er weiß die Antwort. Es ist der Mensch, der am Morgen seines Lebens auf allen vieren krabbelt, dann sich auf zwei Beine erhebt, bevor er am Lebensabend ein drittes Bein benötigt, den Stock. Nach des Rätsels Lösung stürzt sich die Sphinx in den Abgrund und Ödipus hat Theben von einer gewaltigen Bedrohung befreit.
Im Drama von Sophokles ist die Sphinx nach dem antiken Mythos vor allem ein

Unheil stiftendes Wesen. Hervorgegangen aus der Verbindung zweier grausamer Monster, spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Erfüllung des tragischen Schicksals von Ödipus.
Die griechische Kunst zeigt das Mischwesen mit einem Löwenleib und einem lieblichen weiblichen Antlitz aber auch in einem anderen Zusammenhang: Als Hüterin der Totenruhe stehen ihre Statuen auf Gräbern. Von hohen Säulen herab hält sie Frevler von Heiligtümern fern.
Dank ihrer Vieldeutigkeit und ihrer geheimnisvollen Ausstrahlung geht von der Sphinx eine unwiderstehliche Faszination aus. Die Ausstellung geht auf Darstellungen und Deutungen der Sphinx von der Antike bis zur Gegenwart ein.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Die Welt von gestern. Malerei und Grafik des 19. Jahrhunderts

Gotthard Kuehl, Gesangsstunde, 1886, Pastell, 46,5 x 65,5 cm, Lindenau-Museum Altenburg (Detail)

Das sogenannte lange 19. Jahrhundert dauerte von der Französischen Revolution 1789 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. In diesen
125 Jahren wurden alle Weichen für die Welt, wie wir sie kennen, gestellt. Ungebremste Industrialisierung, das Erwachen nationaler Ideologien und heroische Umdeutungen der Geschichte stehen neben Romantik, biedermeierlichen Rückzugsgedanken und der Sehnsucht nach einer idealisierten Ferne.
Wenn wir heute auf Gemälde mit Szenen aus dem Mittelmeerraum blicken, können wir die gegenwärtige Flüchtlingskatastrophe nicht ausblenden. Wenn wir Waldidyllen betrachten, haben wir die durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen vor Augen.

Und auch wenn sie schon damals nicht das war, was wir nostalgisch in sie hineinlegen, bezaubert uns die Welt von gestern. Aus den reichen Beständen des Lindenau-Museums zeigen wir kaum bekannte Landschaften und Genrebilder, aber auch Darstellungen mythischer Geschichten und vergessen dabei nicht die in Altenburg tätigen Maler der Zeit.
Die Spanne der Künstler reicht von Carl Gustav Carus, Filippo Agricola, Ludwig Doell bis Gotthard Kühl, Karl Moßdorf, Ferdinand von Rayski, Albert Rieger und Théodore Rousseau.

Faltblatt mit Begleitprogramm

Die einzig revolutionäre Kraft. Kunst und Revolution 1918 und 1968

Verlängert bis 20. Januar 2019!

Vor 100 Jahren schlossen sich viele Künstler, die traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten, zu revolutionären Vereinigungen zusammen. Im Zuge der Oktoberrevolution in Russland sollte mit künstlerischen Mitteln die Vision einer neuen Gesellschaft realisiert werden – jenseits von Militarismus, Nationalismus und Kapitalismus. Fünfzig Jahre später schien die Möglichkeit einer besseren Welt erneut greifbar: Im Jahr 1968 kulminierten weltweit Proteste gegen den Vietnamkrieg, gegen die Elterngeneration, gegen Repression und Denkschranken. Ein wichtiger Träger dieser Bewegung war die Kunst. Hier konnten neue Formen des Zusammenlebens spielerisch erprobt, Utopien formuliert und Zeitgeschichte kommentiert werden.

Die Altenburger Ausstellung fragt anlässlich des doppelten Jubiläums nach dem beiden historischen Ereignissen innewohnenden revolutionären Potenzial von Kunst und stellt sich die Frage, wo diese entscheidende Kraft der Kunst heute geblieben ist. In drei Räumen erleben die Besucher die Jahre 1918 und 1968 durch den Spiegel der Kunst, um sich schließlich in der Gegenwart wieder zu finden, wo die Kunst erneut als Möglichkeitsform des Widerstandes entdeckt wird. Gezeigt werden u. a. Arbeiten von Conrad Felixmüller, George Grosz, Elisabeth Voigt, Klaus Staeck, Carlfriedrich Claus, Wolfgang Mattheuer, A. R. Penck, Volker Stelzmann, den Wiener Aktionisten, Jonathan Meese und Joseph Beuys, dem ein Satz zugeschrieben wird, der dieser Ausstellung den Titel gegeben hat: „Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kunst.“